Der Maritime Osten Kanadas - inkl. Neufundland

Acht Jahre nach unserer ersten Kanadareise stand für uns fest: Wir wollten wieder in dieses atemberaubende Land! Die zum Teil noch unberührte Natur und die Artenvielfalt, die Weite und die Einsamkeit - das wollten wir wieder sehen, erleben und spüren - allerdings sollte es diesmal der Osten Kanadas werden - zumindest ein kleiner Teil davon und natürlich durfte Neufundland auch nicht fehlen!

 

Mit unserem Kumpel Heinz starteten wir Ende Mai ab Frankfurt nach Montreal - und nach einem kurzen Aufenthalt weiter nach Hallifax in Nova Scotia. Mit unserem Gepäck und der Fotoausrüstung hatte alles soweit ganz gut geklappt - aus diesem Grund nahmen wir in Kauf nicht Non-Stop nach St. John´s fliegen zu können - was Condor angeboten hatte - allerdings mit nur 6 kg Handgepäck. Für unsere Fotoausrüstung eindeutig zu gering! Und das Risiko bei Übergepäck eine der sensibelen Objektive in den Koffer zu stecken - das wollten wir nicht eingehen. Also ist die Entscheidung auf AirCanada mit CodeShare Partner Lufthansa gefallen. Gegen 19:30 h Ortszeit kamen wir in unserem Hotel in Darthmouth an, nachdem wir am Flughafen unser Mietauto entgegengenommen hatten. Unsere erste Nacht verbrachten wir im Delta Hotel by Marriot. Nach einem sehr leckeren Abendessen stieg dann langsam die Vorfreude auf den nächsten Tag - und den Start unserer Reise - mit der Frage: Was wird uns alles in den nächsten Tagen und Wochen erwarten?

 

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück starteten wir unsere Reise - erstes Etappenziel war Peggy´s Cove. Über die sogenannte "Lighthouse-Route" kamen wir dort bereits um 9h bei strahlendem Sonnenschein an und erkundeten das kleine Fischerdörfchen. Peggy´s Cove wurde 1811 an der Ostküste der St. Margarets Bay gegründet. Der meistfotografierte Leuchtturm Kanadas markiert den östlichsten Teil der St. Margarets Bay und befindet sich direkt hinter der Ortschaft. Seit dem zweiten Weltkrieg ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle der Ortschaft - trotz der Dominanz des Tourismus hat die Ortschaft nicht ihren rustikalen Charme eines Fischerdörfchens verloren. Noch heute fischen seine Bewohner nach Hummern. Um die Ursprünglichkeit der Ortschaft zu erhalten, hat die Ortsverwaltung und die Provinzregierung strenge Regeln für die Bebauung und den Zuzug von neuen Bewohnern erlassen.

 

Eine der Gedenkstätten des Flugzeugabsturzes des Swissair-Flug 111 befindet sich ca. 1 km nordwestlich der Ortschaft, genannt The Whalesback. Am 02.09.1998 gegen 22:00 Ortszeit stürzte die McDonnell Douglas der Swissair auf dem Weg von New York nach Genf etwa 10 km vor Peggy's Cove in den Atlantik. Bei dem Unglück kamen alle 215 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder ums Leben. Eine zweite Gedenkstätte befindet sich in Bayswater, an der gegenüber liegenden Seite der Bucht. Nach einer gewissen Zeit fuhren wir weiter über die Lighthouse-Route bis nach Mahone Bay und Lunenburg. Wir fuhren an vielen Fischerdörfchen vorbei - z.Bsp. Chester - ein ehemaliges "Seeräubernest" In der Zeit der amerikanischen Prohibition spielte es eine große Rolle beim Schmuggeln. Mahone Bay ist bekannt für seine Silhouette mit den 3 Kirchtürmen.

 

Lunenburg ist eine kleine Hafenstadt und ist Kanadas älteste deutsche Siedlung mit einer langen Fischerei- und Schiffbautradition. Der Stadtkern von Lunenburg mit seiner markanten Holzarchitektur – bunten idyllischen Häusern sowie alten Kapitänsvillen – gehört seit 1995 zum UNSECO-Weltkulturerbe. Lunenburg wurde zu Anfang von sogenannten "Foreign Protestants" bevölkert, die größtenteils aus Deutschland (Pfalz und Württemberg), der Schweiz und dem protestantischen Frankreich kamen. Sie wurden von Lord Cornwallis nach Kanada geholt, indem er ihnen freie Religionsausübung versprach und die Überfahrt finanzierte. Als später fast ausschließlich Deutsche nach Lunenburg kamen, wurde der Name entsprechend geändert. Viele Schiffswerften gibt es in Luneburg und die Stadt ist Heimathafen der "Bluenose" und der "Bluenose II", sowie der "Bounty" aus dem gleichnamigen Film "Meuterei auf der Bounty". Auch die "Rose" - das größte Holzschiff der Welt, das noch heute in Betrieb ist - wurde in einer Lunenburger Werft gebaut.

 

Weiter ging es über Liverpool bis zu unserem Endziel nach Hunts-Point - insgesamt haben wir an unserem ersten Tag knapp 300 km zurückgelegt - als wir in Hunts Point ankamen, hat sich das Wetter leider verschlechtert und es begann zu regnen. Unsere Unterkunft war direkt am Wasser gelegen - ein Traum!



3. Tag - im Zeichen des Kejimkujik Nationalpark und des Regens

Am zweiten Tag machten wir uns auf um den Kejimkujik Nationalpark zu erkunden - im Vorfeld hatten wir viel über den Nationalpark gelesen und waren voller Tatendrang - aber beim Blick in den Himmel und den Wetterprognosen des heutigen Tages, wurden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aber wir lieben ja "fast" jedes Wetter - nur leider sind bei Regen und Nebel die Ausbeutung vernünftiger Fotos eher gering! Auch die geplante Kajak-Tour ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Aber nichts desto trotz war es ein schöner Tag - die frische Regenluft zu schnuppern, wenige Menschen im Park anzutreffen - einige kurze Wanderungen, unter anderem den Wanderweg „Mersey Meadow“, eine urige Kneipe wie aus einer vergangenen Zeitepoche und eine Fahrt zu einer "nur" 80 km entfernten Tankstelle - prägten diesen zweiten Tag.

 

Der Kejimkujik Nationalpark wurde 1974 gegründet und umfasst eine Gesamtfläche von etwa 403 qm². Der Park wurde nach seinem größten See benannt, dem Kejimkujik Lake, und wird von den Kanadiern selbst kurz „Keji“ genannt. Der Name wurde von den Mi’kmaq-Indianern geprägt und wird oft übersetzt mit „angeschwollenes Gewässer“. Seit dem Jahr 2010 ist der Kejimkujik Nationalpark als Lichtschutzgebiet (Kejimkujik Dark Sky Preserve) ausgewiesen. Der Park selbst befindet sich im Zentrum der zweitgrößten Biosphäre Kanadas und besteht aus 21 verschiedenen Waldarten, die meisten davon Mischwälder.

 

Als einziger Nationalpark Kanadas ist der Kejimkujik Nationalpark nicht nur Nationalpark, auf Grund der Mi’kmaq-Indianer trägt er zudem das Siegel einer „National Historic Site“. Dies bedeutet, dass der gesamte Park von großer kultureller und archäologischer Bedeutung für das Land Kanada ist. Die Geschichte der Mi’kmaq beginnt wahrscheinlich schon um 8400 v. Chr., lange vor den Pyramiden und Stonehenge. Etwa 3000 v. Chr. siedelten sie sich am Kejimkujik Lake an. Die etwa 500 verschiedenen Petroglyphen, in Stein geschnitzte Bilder, geben Auskunft über die Mi’kmaq und sind ein einzigartiges Zeugnis ihrer Kultur. Sie entstanden etwa 1200 n. Chr. und zeigen Motive aus dem Leben und der Sagenwelt der Mi’kmaq. Wer lieber die malerische Wasserwelt entdecken möchte, kann sich auf den tausende Jahre alten Kanuwegen der Mi’kmaq den Weg durch den Park bahnen. Der heutige Park, früher Lebensraum der Mi’kmaq wurde als Verbindung zwischen der Bay of Fundy und dem Atlantik genutzt.

 

Leider regnete es, zwar nicht fest - aber dennoch unaufhörlich - wir statteten den Mill-Falls noch einen Besuch ab und fuhren schließlich zurück zu unserer Unterkunft.


4. bis 6. Tag - von Nova Scotia nach New Brunswick, Kolibris & Hopewell Rocks

Am nächsten Morgen hiess es früh aufstehen, Koffer packen und alles wieder im Auto verstauen - denn wir verlassen Hunts Point und fahren Richtung Kejimkujik Nationalpark bis zum Fähranleger in Digby - wir müssen spätestens 1 h vorher Abfahrt dort sein. Die Überfahrt haben wir bereits von zuhause aus gebucht und sie soll um 11 h ablegen, das müsste zu schaffen sein - zumal wir keinen weiteren Abstecher in den Kejimkujik Nationalpark planen - da das Wetter leider immer noch miesepetrig drauf war. Nach rund 145 km sind wir in Digby angekommen - das Wetter wurde deutlich besser und wir warteten bis zur Einschiffung am Fähranleger - pünktlich um 11 h ging es dann los - auf Wiedersehen Nova Scotia - in 2,5 Stunden legen wir in Saint John´s und der Provinz New Brunswick an.

 

Die Überfahrt ist nicht besonders spektakulär - wir gönnten uns einen Kaffee und hingen unseren Gedanken nach und schon waren wir "auf der anderen Seite". Wir fuhren Richtung Hampton auf der 1 bis nach Springdale - dann ging die Fahrt weiter durch den Fundy Nationalpark bis nach Alma - unsere Unterkunft wollten wir später aufsuchen - jetzt standen erst mal die Hopewell Rocks auf der To do Liste - denn ab 16 h ist Ebbe und wir wollten natürlich die Felsformationen vom Meeresboden aus sehen, außerdem versprach für den morgigen Tag das Wetter nicht gerade rosige Aussichten - also: Let´s do it!  Die Hopewell Rocks sind eine Gesteinsformation, die durch gezeitenbedingte Erosion entstanden ist. Die manchmal auch als Flowerpot Rock (deutsch: Blumentopffelsen) bezeichneten Felsen erinnern ihrer Gestalt nach an Blumentöpfe und befinden sich am Hopewell Cape an der Bay of Fundy.

 

Wegen des extremen Tidenhubs (bis zu 16 Meter) stehen die Felsformationen zweimal täglich unter Wasser. Die Felsen gehören zum Rocks Provincial Park, der 1958 eröffnet wurde, und können bei Niedrigwasser vom Meeresboden aus besichtigt werden. Wir kamen gegen 15:30 h am Parkplatz an - oh jeh - sehr viele Menschen hatten den gleichen Gedanken wie wir - wobei aber auch viele Besucher bereits wieder zum Parkplatz zurück kamen. Wir zahlten unseren Eintritt und gingen ca. 4-5 min durch ein kurzes Waldstück bis zum "Stahlgerüst" - denn nur über dieses gelangt man auf den Meeresboden zu den Felsen. Leider nicht so ganz passend, die Atmosphäre wird dadurch etwas zerstört. Wir hielten uns hier bis ca. 18 h auf - dann kamm langsam das Wasser wieder zurück - und wir waren "fast" alleine vor Ort. Fazit: Die Hopewell Rocks bieten zusammen mit den Gezeiten wirklich ein beeindruckendes Naturschauspiel.

 

Nachdem wir unser Schuhwerk vom Schlamm gesäubert hatten und wieder im Auto sassen - begann noch eine kurze Odysee bis wir unsere Unterkunft gefunden hatten - ein traumhaftes B&B - absolut Abseits, mit supernetten Gastgebern und tatsächlich flatterten hier Kolibris vor den Fenstern.. Ein langer Tag ging zu Ende - morgen gehts in den Fundy Nationalpark zum Wandern! Die Nacht war schnell vorbei - nach einem kurzen Frühstück mit gebackenen Eiern von den eigenen Hühnern der Hausherren, starteten wir Richtung Alma und zum Fundy N.P. - über 100 km Wanderwege unterschiedlichster Länge und Schwierigkeit ziehen sich durch den Park. Den ersten Abstecher machten wir zur Point Wolfe Brücke. Kurz hinter der überdachten Brücke, die so typisch ist für Neubraunschweig, beginnt am Parkplatz der Wanderweg zum Point Wolfe. Moderat ist der Rundwanderweg und gerade mal 1,2 Kilometer lang.

 

Danach machten wir einen kurzen Abstecher um den ca. 1,5 km langen Rundwanderweg zu den Dickso Falls zu unternehmen. Der Rundwanderweg beginnt vom Parkplatz an der Point Wolfe Road aus. Der Weg führte uns durch schattige Wälder mit vielen verschiedenen Farnarten entlang des Dickson Brook, der in die Bay of Fundy fließt. Dann fuhren wir zum Parkplatz um zu den Laverty Falls zu laufen. Eine Schotterpiste führte uns das letzte Stück bis zum Parkplatz - das Wetter war ok - ziemlich schwül und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte - und zum ersten Mal "Mückenalarm"! Vorweg: für uns war dieser Trail sehr anstrengend, vor allem der Rückweg geht nur steil nach oben - und die Fotoausrüstung ist auch nicht gerade leicht zu tragen. Größtenteils führt der Weg durch Hartholzwälder. Vor allem einige gigantische Ahornbäume finden sich hier. Der Weg war übersät mit Wurzeln und Steine, sowie einiger sehr matschiger Stellen - hier war Trittsicherheit angesagt. Das letzte Stück des Weges führte uns über die Felsen bis zum höchsten Punkt über den Wasserfällen.

 

Geschlaucht kamen wir nach ca. 2 h wieder an unserem Auto an - kauften in Alma noch was an der Tankstelle ein - eine andere Möglichkeit gab es sonst leider nicht und fuhren zurück zu unserer Unterkunft - der Abend stand im Zeichen der Kolibris und der Beobachtung weiterer einheimischer Singvögel. Auf der Veranda im Schaukelstuhl sitzend mit einer Decke über den Beinen und dem Fernglas in der Hand, kam ich mir vor wie eine Laiendarstellerin bei "Fackeln im Sturm". So neigte sich nun schon der 6 Tag langsam seinem Ende entgegen.



7. bis 9. Tag Cape Breton Nationalpark, Sturm & Wildlife

Heute heißt es Abschied nehmen von der Bay of Fundy, den Hopewell Rocks und des Fundy Nationalparks. Unsere Reise geht weiter Richtung Norden und zurück nach Nova Scotia. Endziel ist Chéticamp am Eingang zum Cape Breton Nationalpark. Es ist unsere bis dato längste Fahrt – sie führt Moncton (Gunningsville Bridge), nach Sackville wo wir kurze Zeit später über die Landesgrenze die der Missaguash-River bildet von New Brunswick zurück nach Nova Scotia fahren. Weiter führt uns der Weg bis nach Truro und weiter Richtung New Glasgow, Antigonish bis zum Canso Causeway. Der Canso Causeway wurde 1955 eröffnet und verbindet die Insel Cape Breton Island mit der Halbinsel Nova Scotia, und bildet somit eine der vier Atlantikprovinzen im Osten Kanadas. Dieser „Damm“ ist fast 1,4 km lang und an der Oberfläche 40 m breit. Eine Schwingbrücke ermöglicht es der Schifffahrt die „Strait of Canso“ zu durchqueren.

 

Das Wetter ist heiter bis sonnig - gut dass wir heute noch nicht wußten, was uns am Sonntag erwartete. Nach der Überquerung der „Brücke“ heißt uns Cape Breton Island willkommen. Wir fahren entlang der Küste bis nach Inverness und zum Endziel nach Cheticamp. Wenn wir in Margaree Harbour am Margaree River angekommen sind, biegen wir zum ersten Mal auf den berüchtigten Cabot Trail ein. Der Cabot Trail ist eine der berühmtesten Routen Kanadas. Die rund 300 Kilometer lange Straße führt entlang der Küste von Cape Breton Island, garantiert großartige Aussichten und bringt einen zu den beliebtesten Attraktionen. Auf dem Cabot Trail ist die Reise selbst das Ziel.

 

In Cheticamp angekommen versuchten wir auf eigene Faust unsere über airbnb gebuchte Unterkuft zu finden - The Gypsum mine Chalet. Doch das stellte sich als äußerst schwierig raus. Eigentlich wollte der Besitzer uns am Information Center treffen um dann mit uns gemeinsam zur Unterkunft zu fahren. Aber kurz vor Ankunft teilte er uns telefonisch mit, dass er auf einer privaten Hochzeitfeier sei und uns nicht treffen könne. Nach endloser Sucherei fragten wir einen Mann am Straßenrand und mit seinem französischen Akzent bot er uns kurzerhand an, mit seinem Wagen voraus zu fahren, denn er denke er wisse wo sich die Unterkunft befindet. Nach einem Umweg über das Visitor-Center, hatten wir Glück und gemeinsam mit dem super freundlichen Herren, kamen wir endlich an unserem "Häuschen" an. Gerne wollten wir dem Herren etwas für seine Bemühungen geben - in Form von Dollars - aber er schüttelte nur den Kopf und sagte "MONEY IS NOT GOOD"! 

 

Am Abend sind wir noch in den Park gefahren und trafen wiederum ein sehr nettes Paar - auf dem BOG Trail. Das ist ein kurzer Boardwalk der nur ca. 500 m lang ist. In diesem Gebiet soll es viele Elche, Vögel, Frösche, Libellen und Orchideen zu beobachten geben - aber leider nicht an diesem Abend. Das Päärchen trafen wir kurze Zeit später wieder auf der Straße und es signalisierte uns, dass wir Ihnen nachfahren sollten. Gesagt getan - wir drehten und tatsächlich führten Sie uns zu einer Stelle wo wir unseren ersten Elch auf dieser Reise sahen - besser gesagt eine sehr ausgezehrte Elchkuh mit zwei Kälbchen. Die Menschen hier sind unfassbar freundlich, höflich und zuvorkommend! So ging ein sehr langer Tag - mit vielen gefahrenen Kilometern, der Suche nach unserer Unterkunft und der ersten Wildlife Beobachtung zu Ende.

 

Rest folgt in Kürze...